
Die Traumfrau gesehen - doch zu feige gewesen, um sie anzusprechen? "Spotted-Gruppen" bei Facebook wollen Schüchternen eine zweite Chance geben. Die Seite der Saarbrücker Uni hat schon über 2000 Anhänger. Doch Datenschützer sehen die Spotted-Seiten kritisch.
(16.01.2013) Die große Liebe kann einem überall begegnen. In der Mensa, im Bus, am Kaffee-Automaten, in der Bibliothek... Oft sind es nur kurze Momente und der Ärger kommt hinterher: Warum habe ich mich nicht getraut, sie oder ihn anzusprechen? Für alle Schüchternen gibt es jetzt eine zweite Chance: Spotted-Seiten sind der neue Trend auf Facebook.
Dort kann man nach Personen suchen, die man gerne angesprochen hätte. Das Ganze läuft anonym. Der Suchende schickt seine Nachricht an die Seitenbetreiber, diese veröffentlichen die Nachricht, ohne den Namen des Suchenden, an der Pinnwand. Andere Nutzer können bei der Suche helfen und Tipps abgeben, wer die beschriebene Person sein könnte.
Auch für das Saarland gibt es inzwischen mehrere Spotted-Seiten. Die Seite „Spotted Universität des Saarlandes“ hat bereits über 2000 Anhänger. Erst vor kurzem angelegt wurden die Seiten „Spotted: HTW des Saarlandes“ mit 365 Anhängern, „Spotted Campus Homburg“ mit rund 130 Anhängern und „Spotted Nachtleben Saarbrücken“ mit rund 300 Followern.
Die Universität des Saarlandes zeigte sich überrascht von diesen neuen Seiten. Thorsten Mohr, der die offizielle Facebook-Seite der Universität pflegt, sagte SR-online, aus Sicht der Universtät spreche nichts gegen solche Seiten, solange die Persönlichkeitsrechte gewahrt würden. Problematisch könne es allerdings werden, wenn konkrete Namen oder Bilder verknüpft würden. Und genau das wird von Kritikern angeprangert.
Datenschützer Thilo Weichert sieht die neuen Spotted-Seiten äußerst kritisch. Weichert ist der Landesdatenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein und ein Experte in Bezug auf Facebook. „Ich finde das absolut bedenklich“, so Weichert gegenüber SR-online. „Hier wird die Möglichkeit zum Missbrauch sozusagen auf dem Silbertablett serviert."
Antwortet beispielweise ein User auf die Suchanzeige und schlägt den konkreten Namen einer mit ihm befreundeten Person vor, wird der Name von Facebook automatisch mit dessen Profil verknüpft. Derjenige, der verknüpft wird, erfährt dies erst im Nachhinein.
In Weicherts Augen ist das Konzept der Spotted-Seiten typisch für die Firmenpolitik von Facebook. Ähnlich wie bei der automatischen Gesichtserkennung, die Facebook seinerzeit eingeführt hatte, sei dies ein erneuter Versuch von Facebook, um Sozialkontakte der Nutzer zu erkennen und diese für Werbung zu nutzen.