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Saarländischer Rundfunk
Sauerkrautherstellung (Foto: dpa) Kohl wird geschnitten und später zu Sauerkraut verarbeitet.

Bio-Energie aus Sauerkrautsaft

Sauerkraut gehört zum Elsass wie die Störche oder die Weinstraße. Doch die kulinarische Spezialität ist  nicht unproblematisch: Der bei der Herstellung entstandene Saft musste bisher aufwendig entsorgt werden. Abhilfe schafft ein Pilotprojekt, mit dem aus dem Abfallprodukt Energie gewonnen wird.

(08.02.2013) Es ist eine kulinarische Spezialität der französischen Grenzregion zu Deutschland: Sauerkraut. Der Saft, der bei der Milchsäuregärung des eingelegten Weißkohls entsteht, musste bisher zu einer speziellen Kläranlage in Straßburg gebracht werden, wo der Sauerkrautsaft mit großen Mengen von Abwasser aus Haushalten verdünnt wurde. Die neue Pilot-Kläranlage liegt rund 20 Kilometer südlich von Straßburg, nur wenige Kilometer von Krautergersheim entfernt - der elsässischen „Sauerkrautmetropole“. Rund um diesen Ort erstrecken sich kilometerweit Weißkohl-Felder, die mehr als zwei Drittel des in Frankreich produzierten Sauerkohls liefern.

Sauerkrautsaft sei sehr ätzend und könne daher nicht einfach wie die Abwässer der umliegenden Gemeinden  in einer herkömmlichen Kläranlage entsorgt werden, betont Clément Ritter vom Wasserversorgungsunternehmen Lyonnaise des Eaux, das die Pionier-Anlage betreibt. Zumal in Zeiten der Spitzenproduktion - zwischen August und Februar - eine Menge an Saft anfalle, die den Abwässern von 140.000 Menschen entspreche.

„Biogas von hervorragender Qualität“

Bei der Entsorgung des Safts in einem hohen siloartigen Turm helfe eine spezielle Art von Bakterien, erläutert Ritter. Sie verbrauchten innerhalb weniger Stunden 90 Prozent der in dem Saft enthaltenen organischen Verbindungen aus Kohle- und Wasserstoff. „Und dabei produzieren sie ein Biogas von hervorragender Qualität.“ Das Biogas aus dem Sauerkrautsaft wird anschließend mit dem vermengt, das in der Kläranlage für Haushaltsabwässer durch andere Bakterien hergestellt wird.

Die dabei gewonnene Energie entspreche dem Verbrauch von 1500 Einwohnern, erläutert der Leiter der Kläranlage, Jérôme Fritz. Sie liefere die für den Betrieb der Kläranlage erforderliche Wärme. Und wenn die Sauerkrautproduktion auf Höchsttouren laufe, könne sogar überschüssige Energie verkauft werden.

Sauerkrautproduzenten hoffen auf Image-Gewinn

Die Sauerkrauthersteller müssen zwar für die Entsorgung des Saftes weiterhin zahlen, sparen aber den Transport zu der Spezialanlage in Straßburg. Vor allem werde das Image des Berufs aufgewertet, meint Jean-Luc Meyer, der die größte Sauerkrautfabrik in der Region betreibt. „Bisher galten wir als Umweltverschmutzer, nun werden wir mit nachhaltiger Entwicklung in Verbindung gebracht."

(AFP/red)

Letzte Aktualisierung: 08.02.2013 - 10:03:11 Uhr (CET)
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