
Bundesweit soll die Zahl der Psychotherapeuten mit Kassenzulassung erhöht werden. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht das Saarland schon jetzt gut aufgestellt – jeder Patient könne im Notfall sofort einen Platz bekommen. Die Psychotherapeutenkammer bezweifelt dies aber.
(19.01.2013) Die psychotherapeutische Versorgung könnte im Saarland künftig noch schlechter werden als bisher. Das befürchtet die Saarländische Psychotherapeutenkammer trotz der Ankündigung, des Gemeinsamen Bundesausschusses, mehr Psychotherapeutensitze in Deutschland schaffen zu wollen. Kammer-Präsident Bernhard Morsch sagte, in der neuen Bedarfsplanung gehe es um den Abbau einer Überversorgung, die im Saarland bei rund 120 Prozent liege.
Allerdings: „Der Abbau der Überversorgung ist wesentlich größer als der Aufbau der Unterversorgung“, wie sie in manchen Gebieten herrsche. Die Berechnungen orientierten sich an Daten aus dem Jahr 1999. Seit dem, so Morsch, sei die Zahl der psychischen Erkrankungen wesentlich angestiegen. Wenn man sich an den alten Fallzahlen orientiere, könnten die natürlich im Jahr 2013 nicht mehr stimmen. Deshalb müsse es eine Neuberechnung geben, wie sie seine Kammer bereits bei der Bedarfsplanung mit eingegeben hatte.
Gunter Hauptmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Saarland, bewertet die Zahl der Psychotherapeutensitze im Saarland hingegen als ausreichend. Es sei so, dass manche Psychologischen Psychotherapeuten eine volle Stelle hätten, aus unterschiedlichen Gründen aber nicht den vollen Sitz ausfüllten, weil sie noch andere Tätigkeiten hätten. Wer dringend einen Therapieplatz benötige, für den sieht Hauptmann derzeit keine Probleme. Der KV-Vorsitzende empfiehlt, sich zunächst selbst aus dem Telefonbuch Adressen von Psychotherapeuten herauszusuchen. Wenn man keinen Platz finde, könne man bei seiner Krankenkasse oder bei der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen. „Wenn bei uns jemand anruft, bekommt er sofort einen Platz“, versichert Hauptmann.
Bernhard Morsch bezweifelt dies und meint, das könnten lediglich eine Handvoll Plätze sein. Nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundeausschusses (GB) sind für das Saarland 154 Psychologische Psychotherapeuten, 62 ärztliche Psychotherapeuten und 43 Kinder- und Jugendpsychotherapeuten vorgesehen. Bis zum 1. Juli müssen Kammern, Krankenkassen und Kassenärztlche Vereinigung diese Zahlen beschließen. Sie können aber auch von den Vorgaben abweichen.