
Im Saarland fehlen Berufsschullehrer. Das behaupten zumindest Lehrerverbände und Oppositionspolitiker. Das Bildungsministerium sieht das offenbar anders. Deshalb haben Referendare am Mittwoch vor dem Landtag für mehr Einstellungen von Berufsschullehrern demonstriert.
(16.01.2013) Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen im Saarland (VLW) hatten für Mittwochmorgen zu einer Demonstration aufgerufen. Referendare und Lehrer des kaufmännischen Lehrerseminarsprotestierten gegen die Einstellungspolitik des saarländischen Bildungsministeriums.
Die VLW-Vorsitzende Sabine Peters-Klein forderte das Ministerium auf, seine Einstellungspolitik der nächsten Jahre offenzulegen, damit die Studierenden Planungssicherheit haben. Sie kritisierte die Kurzfristigkeit und den Zeitpunkt der Ankündigung, dass nicht alle eingestellt werden sollen. Die Referendare hätten deshalb kaum die Möglichkeit gehabt, sich anderweitig zu orientieren. Zudem hätten noch bis vor zwei Jahren wöchentlich rund 1800 Unterrichtsstunden wegen Lehrermangels ausfallen müssen. Peters-Klein fragt wie es sein könne, dass plötzlich nicht mehr Lehrer eingestellt werden könnten. Es bestehe aktuell Bedarf, der sich in den nächsten Jahren noch erhöhen werde. So sei auch immer noch keine Lehrerfeuerwehr in Sicht.
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagt den Lehrermangel an saarländischen Berufsschulen. Die GEW kritisiert, dass das Ministerium für Bildung und Kultur ausgebildete BerufsschullehrerInnen der Fachrichtung Wirtschaftswissenschaft mit den Zweitfächern Sozialkunde und Wirtschaftskunde, Sport und Religion nicht einstellen will und gleichzeitig ankündigt, dass auch zum Sommereinstellungstermin nicht alle ausgebildeten Referendare der Fachrichtung Wirtschaftswissenschaft übernommen werden.
Die GEW fordert mit Nachdruck die Einstellung aller ausgebildeten Berufsschullehrer. Der Vorsitzender der Fachgruppe berufliche Schulen der GEW,Klaus Graus, sagte: „Wir wollen, dass die Unterrichtsversorgung auch in der Zukunft entsprechend der Wichtigkeit der beruflichen Bildung gesichert ist. Wir brauchen neben der Reduzierung des strukturellen Unterrichtsausfalls auch an berufsbildenden Schulen eine Lehrerreserve, damit die Unterrichtsversorgung bei Krankheit, Fortbildung oder Prüfungstätigkeit nicht auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen durch Mehrarbeit ausgeglichen wird.“
Unterstützung für die Forderungen kommen auch von der Linken und den Grünen im Landtag. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Barbara Spaniol, sagte, wegen des Lehrermangels und des „weiterhin hohen Unterrichtsausfalls“ an Berufsschulen benötige man dringend Nachwuchskräfte. Problemlos könne man Nachwuchslehrer für die noch immer fehlende Lehrerfeuerwehr einsetzen. Alle Referendare müssten im Schuldienst eingestellt werden. Dies fordern auch die Grünen. Ihr Fraktionsvorsitzender Hubert Ulrich warf Bildungsminister Ulrich Commercon (SPD) vor, nicht an einer Lösung der Situation interessiert zu sein. Man habe von der langjährigen Praxis Abstand genommen, die angehenden Lehrer trotz Zusage in den Schuldienst zu übernehmen.
Der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon sagte, man könne nicht alle Referendare direkt in den Schuldienst übernehmen. Bei der Einstellung von jungen Lehrern müsse sich das Land nach dem Bedarf an den Schulen richten.