Noch vor wenigen Jahren waren saarländische Spieler in der Bundesliga eine Seltenheit. Inzwischen hat sich das geändert. Fast ein Dutzend Saarländer tummeln sich in den beiden höchsten Spielklassen. Einer davon ist Philipp Wollscheid von Bayer Leverkusen.
(27.12.2012) Für sieben Millionen Euro Ablösesumme wechselte Philipp Wollscheid vor der Saison vom 1. FC Nürnberg zu Bayer Leverkusen. Nur zwei Mal (Jerome Boateng zu Bayern München und Heiko Westermann zum Hamburger SV) zahlte ein Bundesligaverein mehr für einen deutschen Innenverteidiger. Die Erwartungen dürften also durchaus hoch gewesen sein beim neuen Arbeitgeber des gebürtigen Waderners. Doch der 23-Jährige zeigte sich unbeeindruckt von der möglichen Last der hohen Ablöse und meisterte die neue Aufgabe mit Bravour. Von Beginn an hatte er seinen Stammplatz in der Mannschaft von Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski sicher, schwang sich schnell zum Stabilisator der Abwehr auf.
Von den 17 Bundesligaspielen der Hinrunde verpasste Wollscheid krankheitsbedingt nur das Derby am 10. Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf. In den übrigen Partien stand der Abwehrspieler die vollen 90 Minuten auf dem Feld und überzeugte, abgesehen von zwei Patzern am ersten Spieltag in Frankfurt und Anfang Dezember in Hannover, mit konstant starken Leistungen. Überdurchschnittliche 64,7 Prozent seiner Zweikämpfe entschied er für sich und konnte sich auch zwei Mal in die Torschützenliste eintragen. Einen Galatag erwischte Wollscheid Ende Oktober, als er mit seinem neuen Verein bei Klassenprimus Bayern München einen 2:1-Sieg feierte und damit dem Herbstmeister die bisher einzige Liganiederlage zufügte. Erste internationale Erfahrungen sammelte der großgewachsene Verteidiger außerdem in der Europa League, wo er fünf Mal zum Einsatz kam.
Der rasante Aufstieg des Saarländers ging somit auch in der Hinrunde dieser Saison weiter. Vor zwei Jahren war der frühere Spieler des 1. FC Saarbrücken und von Rot-Weiß Hasborn noch bestenfalls Insidern ein Begriff - heute klopft er immer lautstarker an die Tür der Nationalmannschaft. Noch blieb dieses ungehört, Bundestrainer Joachim Löw verzichtete bisher trotz der zuletzt häufiger aufgetretenen Defensivprobleme auf Wollscheid.
Doch nach der schweren Verletzung von Holger Badstuber (Bayern München) ist zumindest für das nächste halbe Jahr eine Planstelle frei geworden. Und spätestens bei der USA-Reise der DFB-Mannschaft im kommenden Mai und Juni dürfte er eine Chance erhalten. Denn dann könnten einige Mitglieder des Stammpersonals wegen den Finalspielen in DFB-Pokal und Champions League fehlen. Die Chancen für Wollscheids nächsten Karriereschritt stehen also gar nicht so schlecht.
Über die aktuelle Lage der übrigen saarländischen Bundesligaspieler berichtet SR online in den kommenden Tagen.