
Bundesweit wird der Ausbau vpn Ganztagsschulen vorangetrieben - auch im Saarland. Doch noch liegt in Deutschland die Nachfrage deutlich hinter vielen anderen EU-Ländern. SR 3-Reporter Uwe Jäger hat mit dem Bundesvorsitzenden des Ganztagsschulverbandes über die Gründe gesprochen.
(30.11.2012) Inzwischen treiben immer mehr Bundesländer den Ausbau der Ganztagsschulen voran. Auch das Saarland. Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird immer wichtiger. Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels. Doch Deutschland liegt noch immer weit abgeschlagen hinter vielen anderen europäischen Ländern. Zwar bieten inzwischen 50 Prozent aller Schulen Ganztagsangebote an, aber nur 28 Prozent aller Schüler nutzen diese. Auf gebundene Ganztagschulen gehen sogar nur zwölf Prozent der Schüler.
20 Jahre hat es gedauert bis im Saarland wieder eine gebundene Ganztagsschule eingeführt wurde. Davor hatte das Land lange auf die Freiwillige Ganztagsschule gesetzt. Bei der ist man bundesweit spitze. Bei der gebundenen Ganztagschule dagegen weit abgeschlagen. Kein Wunder, sagt Stefan Appel, der Bundesvorsitzende des Ganztagsschulverbandes: „Wenn ich im Saarland, um einmal bei dem Beispiel zu bleiben, nach 20 Jahren erst wieder anfange, gebundene Ganztagschulen einzurichten, muss ich mich ja nicht wundern, wenn da weniger hingehen. Auf der anderen Seite tut sich in Saarland richtig was.“
Gemeint sind die Pläne der Großen Koalition. Sie will in den kommenden Jahren aus neun echten Ganztagsschulen 25 machen. Bereits zum kommenden Schuljahr kommen drei weitere Grundschulen dazu. Eventuell auch eine weiterführende Schule. Eine gute Sache, findet Appel - vorausgesetzt Lehrer, Schüler und Eltern sind überzeugt davon. Zudem sei es sehr wichtig, dass der Schulträger darauf achte, dass es in zumutbarer Entfernung eine Halbtagsschule mit gleichem Bildungsangebot gebe, denn „ich kann niemanden zur Ganztagsschule zwingen.“ Gut gemach, überzeuge die Schulform jedoch von ganz allein, denn sie biete viele Vorteile - nicht nur für Kinder aus sozialschwachen Familien, sagt Appel. Der Schultag würde entzerrt, das Lernen könne in andere Phasen aufgeteilt werden und es können auch anders gelernt werden. Projektlernen, lebensbezogenes Lernen, fächerübergreifendes Lernen könne besser realisiert werden weil es mehr Zeit gebe. „Das ist ein eindeutiger Vorteil.“
Aber bei allen Stärken macht sich Stefan Appel trotzdem für den Erhalt der Wahlfreiheit der Eltern stark. „Wir sind ein Halbtagsschulland. Wir können nicht annehmen, das alle Eltern das wollen und deswegen muss man auch verschiedene Modelle vorhalten“, sagt er. Wenn man aber schon verschiedene Modelle vorhalte, müsse man sie auch ganzherzig betreiben, das heiß: mit entsprechender Schulreform und angemessener Ausstattung.