Pro Jahr werden laut ADAC etwa 2800 Falschfahrten auf Deutschlands Straßen gemeldet. Die meisten davon enden tödlich. Manchmal ist es eine bewusste Falschfahrt, manchmal sind Schilderdschungel oder Erschöpfung die Auslöser - wie leicht wird man Falschfahrer und damit zur Gefahr für andere?
Es ist der Albtraum für jeden Autofahrer: Auf der eigenen Spur kommt einem plötzlich ein Fahrzeug entgegen. Pro Jahr werden laut ADAC etwa 2.800 Falschfahrten auf Deutschlands Straßen gemeldet. Die meisten davon enden tödlich.
Geisterfahrer sind ein ständiges Risiko im Straßenverkehr. Trotzdem gibt es weder aktuelle Zahlen rund um die Unfälle, noch ausreichende Untersuchungen zu diesem Phänomen. In einem sind sich die Experten allerdings einig: Die Ursachen sind vielfältig. So muss man zunächst zwischen einer bewussten Falschfahrt – zum Beispiel aus Suizidabsicht oder einem Wendemanöver auf der Autobahn – und einer unbewussten Irrfahrt unterscheiden.
Gründe dafür, dass Autofahrer unbeabsichtigt auf die falsche Spur geraten, sehen Verkehrspsychologen vor allem in der schlechten Beschilderung vieler Auffahrten und Anschlussstellen. Außerdem können Ortsunkenntnis, Dunkelheit und eine verwirrende Verkehrsführung dazu führen, dass man unbewusst eine Geisterfahrt beginnt.
Fehlende Markierungen einerseits, Schilderdschungel andererseits – wie leicht wird man zum Falschfahrer und damit zur Gefahr für sich und andere? Wir testen drei Autobahnauffahrten in NRW. Geleitet wird unser Versuch von Fahrlehrer Walter Müller. Er kennt die Gefahrenstellen aus seinem Fahrschulalltag.
Unter dem Vorwand eines Sicherheitstrainings lockt der Fahrlehrer unseren ersten Kandidaten in Richtung Autobahn. Dieser steuert ahnungslos zur ersten Gefahrenstelle. An dieser Auffahrt in Richtung Düsseldorf wurden bereits viele Fahrer zu Falschfahrern. Die Schwierigkeit: Ab- und Auffahrt liegen eng beieinander, die Beschilderung ist dürftig.
Um auf die Auffahrt zu gelangen, muss man den Gegenverkehr beachten und dann links abbiegen. Die Ampel springt auf Grün, unser Proband gibt Gas und wählt auf Anhieb sowohl die richtige Spur als auch die richtige Auffahrt. Sein Vorteil: Auf der Abfahrt stehen Fahrzeuge, die ihm ein Falschfahren fast unmöglich machen. Dazu kommt, dass es noch hell ist.
Die Hälfte aller Falschfahrten werden nachts gemeldet. Bei Dunkelheit fällt es deutlich schwerer, sich zu orientieren. Wir verlegen unseren nächsten Test deshalb in die Abendstunden. Diesmal geht es auf die Autobahn nach Koblenz. Mittlerweile ist es stockdunkel, und an der zu testenden Auffahrt gibt es gleich zweimal die Möglichkeit, falsch aufzufahren, bevor es links auf die dritte und richtige Spur geht.
Der Fahrlehrer bittet unsere Testperson, in Richtung Koblenz zu fahren. Und da passiert der Fehler: Unser Testkandidat biegt zu früh ab. Er fährt beinahe in die Abfahrt und somit in den Gegenverkehr. Doch Walter Müller hat alles unter Kontrolle. Er rät, vor allem langsamer zu fahren, damit man sich in der Dunkelheit besser orientieren kann, und beim Einbiegen einen größeren Bogen zu schlagen. Für den Fahrlehrer liegen die Gründe für das Falschfahren an dieser Stelle auf der Hand: Das Umfeld ist überhaupt nicht beleuchtet, und auch an dieser Auffahrt liegen die Einfahrten sehr dicht beieinander.
Weiter zu Kandidat Nummer drei, diesmal eine Fahrerin. Diese muss gleich drei mögliche Einfahrten ignorieren, um an ihr Ziel, die Autobahnauffahrt in Richtung Bonn, zu kommen. Zunächst macht sie alles richtig und fährt an der ersten kritischen Stelle vorbei. Aber dann biegt auch sie zu früh ab. Fahrlehrer Müller korrigiert sofort, sodass sie ihren Weg auf der richtigen Spur fortsetzen können. An beiden Problemauffahrten müssten seiner Meinung nach deutlich mehr Leuchtmaterial und Leuchtschilder angebracht werden, um den Autofahrern den richtigen Weg zu weisen.
Übrigens: Es sind nicht nur ältere Fahrer, die die Orientierung verlieren und auf der falschen Fahrbahn landen. Mehr als die Hälfte aller Falschfahrer ist jünger als 45 Jahre, und fast alle Geisterfahrer sind männlich.
Doch was muss ich tun, wenn ich selbst zum Falschfahrer werde? Martin Mönninghoff, Dozent für Verkehrsrecht an der Hochschule für Polizei in Münster, weiß, wie man sich in solch einem Moment richtig verhält:
Und wie verhalte ich mich, wenn ich eine Falschfahrermeldung im Radio höre?
Ein Beitrag unserer Kollegin Britta Urbaszek vom WDR