Daumen rauf oder runter bei der Nachhaltigkeit? Wir helfen bei der Entscheidung. Mit unserer Serie bonus-Ökorating, diesmal Teil IV: wie ökologisch sinnvoll ist lokale Nahrung? Wie gut schneidet der regionale Apfel bei der Klimabilanz ab? Annette Bak gibt Antworten.
Apfelernte auf dem Wintringer Hof bei Saarbrücken. Wegen des schlechten Wetters ist sie in diesem Jahr nicht so gut ausgefallen. Nur rund ein Drittel von dem, was es im letzten Jahr gab. Die meisten Äpfel gehen als sogenannte Tafeläpfel in den Verkauf.
Im Kühlhaus haben die Äpfel nicht nur optimale Bedingungen zum Ausreifen, sie halten sich bei zwei bis vier Grad Celsius auch monatelang frisch. Erst im Januar werden alle Äpfel vom Wintringer Hof verkauft sein.
Regionale Äpfel gelten als besonders klimafreundlich, weil die Transportwege zum Kunden kurz sind. Nur wenn sie monatelang energieintensiv gekühlt werden müssen, ist das dann auch wirklich nachhaltig?
Wir fragen bei Landwirtschaftskammer des Saarlandes in Lebach nach. Elmar Thewes ist der Spezialist für heimische Äpfel. Wie wird eigentlich die Nachhaltigkeit von Obst oder Gemüse berechnet?
Man müsse u.a. den Energieaufwand beim Bewirtschaften der Anlage, beim Transport der Früchte, auch beim Transport zum Verkaufspunkt rechnen, und während der Produktion sei auch jede Pflanzenschutzmaßnahme mit Energieaufwand verbunden, so Elmar Thewes.
Und genau diese Faktoren haben Forscher aus Heidelberg in ihre Berechnungen miteinbezogen. Ihr Ergebnis: Auch nach sechs Monaten Lagerung sind regionale Äpfel immer noch rund 30 Prozent klimafreundlicher als Äpfel aus Übersee. Denn die kommen aus vielen tausend Kilometer entfernt.
Dieser Klimavorteil gilt aber nicht nur für heimische Bioäpfel wie die vom Wintringer Hof, so die Landwirtschaftskammer, sondern auch für konventionell produzierte regionale Äpfel. Denn auch der konventionell erzeugende Obstbauer sei nicht darauf aus, enorme Energien für sein Produkt zu verbrauchen, das verursache auch Kosten.
Die Verbraucherzentrale des Saarlandes sieht das ähnlich. Auch sie empfiehlt regionale Äpfel ob Bio oder konventionell als klimafreundlich. Allerdings sollten Verbraucher das Obst vor allem saisonal genießen.
Auf die Kennzeichnung achten. Wo kommen die Äpfel her? Diese Information, so Barbara Schröter von der Verbraucherzentrale, sei vorgeschrieben und je weiter entfernt die Herkunft sei, desto weniger sollte man, gerade um diese Zeit, wenn die Äpfel aus der Region kommen, zugreifen.
Daumen rauf beim regionalen Apfel ob Bio oder konventionell erzeugt, wenn er nicht zulange im Kühlhaus liegt. Am klimafreundlichsten sind übrigens Äpfel direkt vom Baum. Dann schmecken sie auch am allerbesten.
Ein Beitrag von Annette Bak