
Auto-Ersatzteile sind im Internet oft viel günstiger als direkt in der Werkstatt. Doch wer da Geld sparen will, muss auch daran denken, dass Werkstätten nicht verpflichtet sind, diese Teile auch einzubauen. Auch bei der Qualität gibt es einiges zu beachten.
(09.02.2013) Wer Autoteile im Internet kauft, muss sie möglicherweise auch selbst einbauen. Silvia Schattenkirchner vom ADAC weist im Gespräch mit SR-online darauf hin, dass Werkstätten nicht verpflichtet seien, online gekaufte Teile in ein Fahrzeug einzubauen.
„In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit“, sagt die Juristin. Das bedeute, jeder könne einen Vertrag mit jemandem eingehen oder nicht. Einen solchen Einbau müsse man vorher mit der Werkstatt ausmachen. Dies gelte sowohl für Vertrags- als auch für freie Werkstätten. „Es sind alles selbstständige Unternehmer, die frei entscheiden können“, sagt Schattenkirchner. Der Käufer habe lediglich auf den Einbau der Teile eine Garantie über den mit der Werkstatt geschlossenen Werkvertrag.
Mit dem Verkauf von Autoteilen im Internet wird mittlerweile in Deutschland ein Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro erzielt. Das berichtet der „AutoTeile OnlineMonitor“. Eine Erhebung des Marktforschungsinstituts TNS Infratest habe ergeben, dass in den vergangenen beiden Jahren rund sieben Millionen Autofahrer Autoteile online kauften. Der Trend werde sich fortsetzen.
Der Kfz-Verband Saarland sieht die Entwicklung skeptisch. Geschäftsführer Niklas Burmester sagte SR-online, einerseits mache es die immer komplexere Technik sinnvoll, Reparaturen durch Profis durchführen zu lassen. Andererseits sei der reine Angebotspreis nur ein Aspekt. Autobesitzer sollten auch den Zeitaufwand für die Recherche im Internet mit einkalkulieren.
Burmester verwies auch auf die Mischkalkulation der Werkstätten. Sollte sich der Reparaturteilekauf im Internet durchsetzen, müssten diese wahrscheinlich die Preise für die Werkstattleistung erhöhen, um bestehen zu können. Burmester betonte aber auch, dass er genau damit nicht rechnet. Ein Boom beim Reparaturteilekauf sei nicht zu erwarten. Auch ADAC-Experten Schattenkirchner sagte, der Kauf von Autoteilen im Internet sei bisher nicht üblich.
Weniger Probleme als bei anderen Teilen sehen die Experten beim Kauf von Reifen und Felgen über das Internet. Der KFZ-Verband Saar geht davon aus, dass sich hier wahrscheinlich Plattformen durchsetzen, die mit Werkstätten vor Ort zusammenarbeiten.
Eine Sache für Bastler
Schattenkirchner verweist auf mögliche Qualitätsprobleme und die Folgen. Sei das eingebaute Ersatzteil defekt, müsse man sich an den Verkäufer wenden – also an denjenigen, bei dem man das Autoteil gekauft hat. Hauptsächlich Bastler würden sich benötigte Ersatzteile über das Internet besorgen. Lediglich Öl, Scheibenreiniger, Frostschutzmittel oder auch Scheibenwischer würden öfter im Internet gekauft. Aber auch bei solchem Kleinmaterial sollte man vorher die Werkstatt fragen, ob sie das zusetzen bzw. einbauen können. Denn schließlich, so die ADAC-Juristin, verdiene die Werkstatt ja an den eigenen Produkten mit.
Sich der Qualität vergewissern
Wer trotzdem über das Netz einkaufen geht, sollte vor allem auf eins achten: die Qualität. Der Markt von unbekannten Ersatzteilherstellern ist groß und die Herkunft häufig unbekannt. Der ADAC empfiehlt hier dringend, auf einen Nachweis zur Einhaltung der Qualitätsanforderungen zu achten. Insbesondere bei sicherheitsrelevanten Teilen, wie Bremsscheiben oder Achsaufhängungen, sei ein Kauf über das Internet nicht unbedingt ratsam.
Wird ein Erwerb via WWW doch erwogen, ist es wichtig zu wissen, wo die Unterschiede liegen. So ist oft auf den ersten Blick nicht klar, ob es sich um ein Original-, Ident-, Austausch-, Nachbau- oder Gebrauchtteil handelt. Bei Original- und Identteilen ist in der Regel von einer höheren Qualität auszugehen, wohingegen bei Nachbauteilen die Möglichkeit besteht, ein minderwertiges Produkt zu erwerben. So genannte Austauschteile sollten eine Qualität aufweisen, die der eines Neuteils gleicht. Vorsicht ist vor allem bei Gebrauchtteilen geboten. Hier gibt es keine verbindlichen Qualitätsstandards.